Heinrich Graf v. Brühl

war ein bedeutender deutscher Staatsmann des 18. Jahrhunderts und Gegenspieler des preußischen Königs Friedrichs II.

 Heinrich Graf von Brühl (Lithographie von Zimmermann nach Balechou, um 1840)

* 13.8.1700 Gangloffsömmern (Thüringen)
† 28.10.1763 Dresden

Brühl trat 1720 als Silberpage in die Dienste des Kurfürsten von Sachsen August d. Starken ein. Es folgte ein rascher politischer Aufstieg. 1746 wurde er zum Premierminister ernannt. Über den Nachfolger August des Starken, Kurfürst Friedrich August II., gewann Brühl auch dominierenden persönlichen Einfluss.

Heinrich Graf von Brühl wurde v.a. als Förderer von Kunst und Kultur bekannt. Zu seinen bedeutenden kulturellen Leistungen gelten der Ausbau bzw. die Weiterentwicklung der Dresdner Kunstsammlungen und der Meißner Porzellanmanufaktur unter seiner Leitung. Auch als privater Bauherr hat er vielfach, v.a. in Dresden, gewirkt (z. B. „Brühlsche Terasse“). Bereits die Zeitgenossen warfen ihm allerdings Günstlings- und Misswirtschaft vor.

Während der preußischen Besatzung hielt sich Brühl mit dem Hof in Warschau im Exil auf. Nach seiner Rückkehr nach Dresden und dem Tod seines Gönners Friedrich August II. kam Brühl seiner Entmachtung mit dem Rücktritt von seinen Ämtern zuvor. Er verstarb wenige Wochen später. Brühl war nicht zuletzt durch die preußische Propaganda schon zu Lebzeiten eine umstrittene Persönlichkeit.

Friedrich d. Große nahm ab 1756 während der Besatzung und Ausplünderung Sachsens auch persönlich an Brühl Rache, indem er zahlreiche seiner Schlösser zerstören ließ, darunter 1758 seinen Lieblingssitz in Pförten (poln.: Brody). Das Schloss hatte Brühl mit der dazugehörigen Herrschaft 1740 erworben und ausgebaut. Es diente zugleich als Station auf der Reise des Königs-Kurfürsten zwischen Dresden und Warschau.

1744/1746 hatte Brühl zusätzlich zu Pförten die benachbarte Stadt und Herrschaft Forst erworben und mit dieser Standesherrschaft Forst-Pförten einen der größten adligen Herrschaftskomplexe in der Niederlausitz nach acht Jahrzehnten wiedervereinigt. Mit dieser Herrschaft, dem größten Güterkomplex unter Brühls zahlreichen Besitzungen, ergab sich eine enge historische Verbindung zur Stadt Forst. Hier und in Pförten wurde auf Initiative und unter Leitung von Brühls Intendanten Carl Heinrich (von) Heinecken ein Textilmanufakturwesen entwickelt, dass als Keimzelle der später deutschlandweit bedeutenden Forster Tuchindustrie gilt. Unter Brühl erhielten Forst und das kleinere Pförten eine städtebaulicharchitektonische Prägung im Stile des sächsischen Rokokos, die sich teilweise bis heute erhalten hat (z. B. Forster Stadtkirche).

Dank der von Brühl testamentarisch begründeten Majoratsherrschaft Forst-Pförten waren seine Nachfahren bis 1945 auf Pförten ansässig. Brühl selbst wurde nach seinem Tod von Dresden nach Forst überführt und Anfang November 1763 in der Forster Stadtkirche beigesetzt.

Autor: Dr. Jan Klußmann

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Broschüre Brühl und seine Herrschaft Forst-Pförten
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